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Wie die Magie des Augenblicks sich entlud

Martha Argerich und Mauricio Vallina

„Blüthner Classics Special“ am 3. September 2013 im Großen Saal des Gewandhaus zu Leipzig

Am Ende des restlos ausverkauften Konzerts geschah etwas Seltenes, Anrührendes, auch die Musiker zutiefst Bewegendes: Als Mauricio Vallina und Martha Argerich nach dem ersten Applaus Hand in Hand auf die Bühne zurückkehrten, erhob sich das Publikum im Saal geschlossen im Bruchteil einer Sekunde und bedankte sich stehend und mit Bravo-Rufen für einen außergewöhnlichen Abend.

Über dem  gesamten Abend lag die Aura des Zauberischen. Schon als die 72-jährige Argentinierin und der dreißig Jahre jüngere Kubaner die Bühne betraten, empfing sie erwartungsvoller, reichhaltiger Applaus, der deutlich über das übliche Maß Freundlichkeit hinausging. Immerhin waren sieben Jahre vergangen, seit die Grande Dame des Pianos zuletzt in Leipzig gastierte.

Nur wenige Takte benötigten Martha Argerich und Mauricio Vallina am Anfang von Busonis Bearbeitung der Mozart’schen „Fantasia für eine Orgelwalze“, bevor sie sich „gefunden“ hatten, um fortan in atemberaubender Synchronität zu musizieren. Eine Schwierigkeit des Spiels auf zwei Flügeln besteht eben darin, die notwendige Übereinstimmung im Denken und Fühlen zu erreichen, die Stimme des jeweils anderen mitzudenken, mitzuhören, selbst gedanklich und im Fühlen mit zu interpretieren und gleichzeitig auf den anderen zu reagieren. Das ist nur bedingt zu proben, bedarf des unvoreingenommen Sich-Einlassens auf den anderen, ohne sich selbst dabei aufzugeben, dem anderen gar nur zu folgen. Wie Mauricio Vallina, der den ersten Part übernahm, dies tat, wie er Martha Argerich, die die zweite „Stimme“ spielte, immer wieder interpretatorische, „Vorschläge“ zuspielte, ihre Erwiderungen aufnahm und in das eigene Spiel integrierte, seinerseits auf ihre „Vorlagen“ antwortete und die beiden im dichten, sinnlichen Zusammenspiel jenseits der Virtuosität, die ihnen gleichsam „natürlich“ aus dem Handgelenk läuft, zur in sich stimmigen, innigen und klangvollendeten Interpretation gelangten, war schlichtweg atemberaubend.

Die beiden sollten später übereinstimmend sagen, dass es auch für sie ein ganz besonderes Konzert war.

Martha Argerich, die auch privat seit vielen Jahren einen Blüthner-Flügel spielt, schrieb in das Gästebuch der Julius Blüthner Pianofortefabrik:

„Es war mir eine Freude;  kein Konzert wie alle anderen. Ich muss sagen, dass es für mich ein ganz besonderes Konzerterlebnis war, auf den beiden wunderbaren Blüthner-Flügeln zu spielen, gemeinsam mit Mauricio Vallino und vor einem fabelhaften Publikum!

Vielen Dank!
Martha Argerich
2013 Leipzig“

Fotos: © 2013 Gert Mothes.

Für die Reihe “FIGARO im Konzert” zeichnete der MDR das Klavierkonzert im Gewandhaus zu Leipzig auf.